Reise blog von Travellerspoint

Timor-Leste, das vergessene Land

Liebe Leser,
habt ihr schon einmal von dem Land Timor-Leste, auf deutsch Osttimor gehört? Nein? Das macht nicht. Ich wusste bis vor ein paar Monaten selbst nicht, dass dieses Land existiert, bis Kamil die Idee äußerte, von Indonesien einen Trip dorthin zu unternehmen. Ich stimmte zu, noch nicht genau wissend, was mich dort erwarten würde. Am Freitag nahmen wir einen Flieger von Bali zur Hauptstadt Dili. Der Plan war, dort einen Tag zu verbringen, am Samstag auf die Insel Autauro zu fahren, am Sonntag wieder zurück nach Dili und heute zurück nach Bali. Dieser Plan sollte sich nicht so ganz umsetzen lassen.
Timor-Leste ist das zweitärmste Land Asiens nach Afghanistan, was selbst in der Hauptstadt unübersehbar ist. Dili ist zwar die einzige Stadt des Landes, wo es asphaltierte Straßen gibt, trotzdem leben die Leute dort in sehr ärmlichen Verhältnissen, meist in kleinen selbstgebauten Hüttchen. Der Flughafen besteht aus einem Gate, wo dreimal die Woche Flugzeuge nach Bali fliegen. Schon am ersten Tag in Dili fiel uns auf, wie sehr sich dieses Land, die Kultur und die Menschen von Indonesien unterscheiden. Wir wurden nicht mit strahlendem Winken von den Einwohnern begrüßt, wie in Indonesien, sondern eher mit schüchternen, neugierigen Blicken. Die Leute dort sind nicht an Touristen gewöhnt, da nur selten welche die Reise dorthin unternehmen. Sie kennen “weiße Menschen” nur aus der Kolonialzeit, als Timor von den Portugiesen eingenommen wurde. Aus diesem Grund beinhaltet auch die Sprache portugiesische Wörter und man hat somit kaum noch das Gefühl in Asien zu sein, sondern vielleicht eher auf einer pazifischen Insel. Auch Zeit scheint hier ein Fremdwort zu sein, da niemand das Bedürfnis hat, sich zu beeilen. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass unser Rückflug jetzt über eine Stunde Verspätung hat. Mit so etwas muss man hier rechnen. Wir schauten uns Dili an und fuhren zu einer großen Jesus-Statue, ähnlich wie die in Rio. 95% der Einwohner sind hier nämlich katholisch. Doch warum reist man überhaupt nach Timor? Zum Einen, um das Wahre, das Unverfälschte kennenzulernen, was heutzutage nur noch wenige Länder zu bieten hat. Viele Länder sind von Touristen überrannt, wurden von anderen Kulturen beeinflusst. Zum Anderen ist das Land von einem unberührten Korallenriff umkreist, was einige Taucher anlockt. Unser Ausflug zur 30km entfernten Insel Autauro führte uns noch einmal mehr vor Augen, wie arm dieses Land ist und vor allem, dass eine Reise nach Timor nichts für Weicheier ist. Man muss sich hier darauf einstellen können, keinen Strom zu haben, kein warmes Wasser, kein Internet und keine Duschen. Selbst fließendes Wasser ist schon Luxus. Deshalb sitzen wir nun mit ungewaschenen Haaren und vom Meerwasser salzverkrusteter Haut am Flughafen. Ja, es ist so eklig, wie es sich anhört. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich auf eine Dusche auf Bali freue. Aber auch so etwas gehört zum Reisen manchmal dazu. Auf Autauro verbrachten wir den Tag am Strand. Wir schauten spielenden Kindern hinterher, die uns Malai, Malai zuriefen und fröhlich winkten. Hier spielen die Kinder noch draußen am Strand Fußball, spielen auf gestrandeten Booten oder bringen den Geschwistern Fahrradfahren bei. Fernseher, Tablets, Smartphones sind hier nämlich noch nicht angekommen. Es gibt nur eine einzige Schotterpiste auf dieser Insel, die zwei Orte auf der westlichen Seite miteinander verbindet. Die Orte bestehen aus kleinen Hüttchen, wo Familien Ziegen, Schweine und Hühner züchten. Die Leute verbringen ihre Zeit damit, zu fischen, in Dili zu arbeiten oder in den drei Unterkünften für seltene Touristen zu arbeiten. Wir fühlten uns, wie am Ende der Welt und wie im Mittelalter und freuten uns dann doch wieder auf unser Schiff am Sonntag Nachmittag. Doch es sollte alles anders kommen. Das Schiff fiel aus wegen zu hoher Wellen. Da wir heute jedoch den Rückflug nach Bali haben, waren wir etwas verzweifelt und unter Druck. Also liefen wir am Strand entlang und fragten jeden Fischer, ob er uns rüber nach Dili fahren könne. Erfolglos. Auch die Männer am Hafen waren wenig hilfreich. Würden wir für immer auf dieser gottverlassenen Insel festsitzen? Ein Angestellter unserer Unterkunft bemühte sich zum Glück aufopferunsvoll uns zu helfen. Er verbrachte die ganze Nacht am Strand, um uns um drei Uhr morgens ein Fischerboot zu organisieren. Aber auch da waren die Wellen noch zu hoch. Letztendlich fuhren wir um 7 Uhr morgens los, gerade noch rechtzeitig für unseren Flieger. Naja, ich fühlte mich nicht gerade sicher auf diesem kleinen Fischerboot. Eher wie auf einer Nussschale mitten auf dem Ozean. Die Wellen schaukelten uns zwei Stunden hin und her und ich wurde bis zur Unterhose nass. Um Abenteuer zu erleben, ist man in Osttimor genau richtig, denn da läuft nie alles nach Plan. Aber letztendlich waren wir einfach froh, wieder in Dili zu sein. Jetzt sitzen wir hier am Gate, abflugbereit und ein wenig fertig von der schlaflosen Nacht und blicken nach Vorne auf unsere verbleibenden 10 Tage in Indonesien. Den Osttimor - Trip fande ich sehr interessant, vor allem so ein unbekanntes Land kennenzulernen. Aber es ist dort eindeutig noch eine Stufe härter und anstrengender als in Indonesien. Überall, sei es am Hafen oder sonst wo, herrscht reinstes Chaos. Und es ist um einiges schwerer mit den Leuten zu kommunizieren,vielleicht wegen fehlender Englischkenntnisse oder auch wegen fehlender Hilfsbereitschaft und Introvertiertheit. Die Letzte Woche werden wir auf Flores verbringen und zum Abschluss die Komodo Inseln besuchen. Ich bin gespannt und wie immer voller Vorfreude.

Liebe Grüße, eure Franzi

P.S. Da ich von vielen meiner Freunde und Familie besorgte Nachrichten bekommen habe, ob es uns gut geht, möchte ich auch hier nochmal sagen, dass alles bestens ist. Das Erdbeben und der Tsunami waren in Sulawesi und wir sind ein ganzes Stück weiter südlich und haben davon zum Glück nichts gespürt. Wir sind auch nicht in Tsunami-Gefahr. Die Situation in Sulawesi ist im Moment wohl katastrophal und mir tun die 1000en Menschen leid, die gestorben sind oder gerade noch ums Überleben kämpfen… Indonesien liegt im sogenannten Feuerring, d.h. hier treten leider sehr oft Erdbeben auf, wobei Tsunamis fast noch eine größere Gefahr darstellen. Wir haben uns vor der Reise selbst informiert, wie man sich im Falle eines Erdbebens verhalten sollte und hier auf Bali haben wir auch schon aufgehängte Evakuierungspläne entdeckt.

Dili Ankunft am Flughafen
DDD2B84B97A3CAC8A1E3ED20B5B5DB94.jpg
DDD12E18BC9397A91BF57126A1BC83B5.jpg

Dili
IMG_20180928_161517.jpg DDCF2BEDA75B9319958589794AC0A93B.jpg IMG_20180928_163516.jpg IMG_20180928_164351.jpg DDCC7D7CB4BEF701D517EDA25129B84D.jpg IMG_20181001_174720_896.jpg

Atauro
IMG_20180929_162053.jpg DDC9C6FBF798FB77E086FB9E932DE66A.jpg DDC85EDBA87E6F9E2A0432B59AF4F193.jpg DDC57F34FE055F34709FC08413AD8C00.jpg

Wie die Menschen dort leben
IMG_20180929_163353.jpg

Spielende Kinder am Strand
IMG_20180929_170328.jpg

Unser Waschbecken und gleichzeitig auch Dusche
DDC2DA5E9B7E0A7476F21535C80ECBB1.jpg

Mit dem Fischerboot zurück nach Dili
DDC154BDC70A32F27D20B777F850AC61.jpg

Abflug nach Bali
DDC01E5FB3F8AB000ADEF0F1F2674FCE.jpg

Eingestellt von franzijacob 06:34

Versende diesen EintragFacebookStumbleUpon

Inhalt

Schreibe als Erster einen Kommentar dazu.

Sie müssen angemeldet Mitglied der Travellerspoint um Kommentare diesem Blog.

Login