Reise blog von Travellerspoint

Auseinandersetzung mit der Mafia auf Bali

Liebe Leser,
wenn wir Eines auf unseren Reisen gelernt hatten, dann dass man niemanden vertrauen darf. Nicht immer, aber oft kann die Freundlichkeit mancher Leute nur Fassade sein und dahinter verbirgt sich etwas anderes, meist nichts Gutes. Dieses Wissen half uns vermutlich bei unserer ersten Begegnung mit Gefahr in unserem Leben.
Der Mittwoch begann eigentlich ganz harmlos. Wir fuhren weiter mit unserem Fahrer über Bali und hielten hier und dort an ein paar hinduistischen Tempeln an, die hier auf Bali so anders sind, als die, die ich schon in anderen Ländern gesehen hatte. Bisher habe ich mit dem Hinduismus immer viele bunte, kitschige Figuren verbunden, mit denen die Tempel verziert werden. Hier sind die Tempel jedoch aus dunklem Stein aus Lava der umliegenden Vulkane. Außerdem haben die Tempel meist keinen Innenraum, sondern liegen draußen zwischen Blumen und Pflanzen. Steinerne Tierwesen bewachen die Eingänge durch die Tore. In einem Tempel kamen wir sogar rechtzeitig zu einer Zeremonie, wo dutzende Hindus in Sarongs auf dem Boden saßen und mit einer Art Weihwasser bespritzt wurden. Ein anderer Tempel lag komplett im Jungle inmitten von grünem Farn, Palmen und bunten Blumen.
In Südostasien kann man sich sehr leicht als Tourist abzocken lassen, wenn man zu ehrlich ist, nicht eindeutig nein sagt oder nicht gut handeln kann. Diesem Problem begegnet man hier ständig und zu unserer Frustration besonders auf Bali, was wir hier extrem lästig finden. Bei jedem Tempel werden versucht, Sarongs für viel Geld aufzuschwazen, wenn man 100m weiter einen kostenlos zum Leihen bekommt. Guides lehnten wir dankend ab und Frauen mit Holzfiguren, die uns hinterher liefen und unser Nein nicht akzeptieren wollten, ignorierten wir. Ihr könnt verstehen, dass das irgendwann sehr anstrengend wird. Deshalb dachten wir, wir kommen auch mit den aufdringlichen Guides am Gunung Batur klar, den wir noch am selben Tag nachmittags besteigen wollten. Auch er ist ein aktiver Vulkan neben dem noch höheren Gunung Agung. Beide brechen regelmäßig aus, das letzte Mal im Juli, und geben auf Bali immer eine schöne Kulisse ab. Die Vulkane ragen in die Höhe, manchmal von Wolken umgeben, rings um sie die grüne Natur, Reisfelder und schließlich das Meer. Das ist Bali! Unser Fahrer setzte uns dort ab und wir machten uns auf den Weg. Wir waren ganz allein dort, denn die ganzen Touristen bewegen sich zum Sonnenaufgang in Schlangen hinauf, weshalb wir dies ausließen und die Ruhe genossen. Nicht wissend, dass uns dies später zum Nachteil werden sollte. Zunächst liefen wir durch ein Dorf, wo Frauen Schnittlauch anlegten und Kinder spielten, dann durch einen Wald und schließlich einen steilen Weg hinauf durch trockene Gräser. Die Aussicht war wunderschön. Uns gegenüber dampfte der Gunung Agung vor sich hin und im Tal glitzerte ein großer See in der Sonne. Uns fehlten nur noch 15 Minuten bis ganz nach Oben und ich freute mich schon auf den Vulkankrater. An uns vorbei fuhren zwei Jungs auf einem Motorrad, die Hölzer hinauf zu einer kleinen hinduistischen Gebetsort brachten, die uns freundlich grüßten. Wir gingen weiter und kamen zu der Hindustätte, wo uns einer der Jungen fragte, woher wir kommen, woraufhin der übliche Small-Talk folgte. Er fragte uns, ob wir einen Guide brauchen. Wir lehnten dankend ab, denn der Weg war nicht schwieriger als manche Wanderwege in der Rhön und uns fehlten auch nicht mehr viele Höhenmeter bis zum Kraterrand. Wir wollten schon weitergehen, als uns der Junge verdeutlichen wollte, dass man ohne Guide nicht hinaufgehen dürfe. Diese Erfahrung hatten wir schon in anderen Orten auf Bali gemacht, beispielsweise am Sekumpul-Wasserfall. Die Leute wollen die Touristen davon überzeugen, dass man einen Guide nehmen muss, obwohl das nicht offiziell festgelegt ist. Im Internet und in zahlreichen Reiseführern steht, dass man den Gunung Batur auch ohne Guide besteigen darf. Am Wasserfall sind wir einfach vorbeigelaufen und haben die Leute ignoriert, was auch gut funktioniert hat. Außerdem waren dort so viele Touristen gewesen, dass wir gar nicht auffielen. Nicht so am Gunung Batur. Der Junge stellte sich uns in den Weg und hielt Kamil fest, der vorbeigehen wollte. Kamil stieß ihn etwas zu Seite und wir wollten einfach weitergehen und uns die Wanderung nicht von so aufdringlichen Leuten verderben lassen. Der Junge nahm tennisballgroße Steine in die Hand und schaute uns an. Dies war der Moment, wo mir bewusst wurde, dass es nun gefährlich werden konnte. Der Junge schaute mich an und holte schon mit dem Stein aus bis Kamil ihm eine Sekunde später sein Taschenmesser zeigte. Ein kurzer unsicherer Blick in den Augen den Jungen und er ließ die Steine sinken. Er wusste nun, er und sein Freund sind im Nachteil und wir sind auf so etwas vorbereitet, uns im Notfall verteidigen zu können. Bevor das alles noch ganz ausartete, traf ich die Entscheidung, dass wir wieder hinuntergehen würden und ging ein Stück hinab. Der Junge bat uns für 100000 Rupia (6 Euro) pro Person an, uns zu guiden. Aber wer möchte schon einen Guide haben, der uns zuvor mit Steinen bedroht hatte? Außerdem wollten wir keinen Cent an diese Kerle bezahlen und traten den Rückweg an, zunächst enttäuscht darüber, den Krater nicht gesehen zu haben. Dann überwog jedoch die Furcht. Was wäre, wenn der Junge noch weiteren Leuten Bescheid geben würde, die uns mit Motorrädern die Wege versperren würden? Gegen eine Gruppe hätten wir keine Chance gehabt und wir waren mutterseelenallein auf diesem verdammten Berg. Hier und da hörten wir Motorräder, mal von unterhalb des Berges, mal von Oberhalb. Sie umkreisten uns. Manchmal sahen wir sogar welche, die andere Wege an uns vorbei fuhren und uns mit ihren schwarzen Augen zornig anstarrten. Wir beeilten uns, so schnell wie möglich den Berg hinunter zugelangen. Als wir schließlich Internet hatten, riefen wir die deutsche Botschaft an und erklärten die Lage. Ob sie aber tatsächlich die Polizei verständigt hatten, wissen wir bis heute nicht. Wieder unten im Dorf angekommen, sollte man eigentlich meinen, man wäre wieder sicher, aber unser Instinkt sagte uns, dass immer noch etwas nicht stimmte. Die Leute grüßten uns freundlich, Kinder winkten uns zu, aber irgendwas war falsch. Als eine Frau mit Baby auf dem Arm uns fragte, wohin wir wollten, wussten wir auch, warum. Wir logen und sagten, wir wollten zu den Heißen Quellen hier ganz in der Nähe. Die Frau stieg samt Baby auf ihr Motorrad und folgte uns, um zu sehen, ob wir tatsächlich dorthin gingen. Ab diesem Moment wurde uns klar, dass das ganze Dorf mit in dieser illegalen Organisation steckte. Nach 200m nickte uns die Frau zu und fuhr an uns vorbei. Wir konnten erst aufatmen, als wir einen Pickup anhielten, der uns mit zum Hotel nahm. Manche von euch, liebe Leser, denken vielleicht, wir hätten etwas übertrieben. Aber nein. Im Hotel angekommen, fingen wir an zu googlen. Zuerst nur super Bewertungen von irgendwelchen Touristen, wie schön doch der Vulkan ist und wie nett der Guide. Dann fast schon versteckt Berichte von Leuten, die ähnliche Erfahrungen mit den angeblichen “Guides” gemacht haben wie wir. Auch im Internet wird über das aggressive Verhalten der Locals gesprochen, was meist sogar mit physischen Verletzungen der Touristen geendet hat. Wir fanden heraus, dass dahinter eine Mafia steckt, die im ganzen Gebiet um den Gunung Batur ihr Unwesen treibt und durch die unwissenden Touristen Profit schlagen. Das Schlimmste ist, jeder Tourist, der so einen “Guide” bucht, unterstützt diese Mafia. Weder im Hotel noch von unserem Fahrer wurden wir vorgewarnt, obwohl diese Organisation keinesfalls versteckt ist. Sie hat sogar eine Art Büro am Fuße des Berges in einem kleinen Verschlag. Im Hotel wurden wir nur gefragt, ob wir einen Guide hätten. Unser Nein wurde nur durch ein Lächeln beantwortet. Auch die Polizei macht einfach nichts dagegen! Vermutlich steckt sie auch noch mit drin. Noch den ganzen nächsten Tag waren wir etwas geschockt und entsetzt darüber, dass so etwas auf Bali passiert. Ich hätte es auf jeder anderen Inseln hier in Indonesien erwartet, aber nicht auf Bali. Trotzdem waren wir auch einfach froh, heil unten angekommen zu sein. Am Donnerstag wollten wir noch zwei weitere Tempel anschauen und wurden auch dort enttäuscht. Im Reiseführer und im Internet stande ein offizieller Eintrittspreis von 15000 Rupia (90 Cent), aber es gab nur Tickets für 60000 Rupia (3,60 Euro) zu verkaufen und wieder: inklusive Guide. Wir trafen dort noch ein spanisches Pärchen an, das genauso ratlos war, wie wir. Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit einem aggressiven Mann, der uns als respektlos beschimpfte, gingen wir ohne den Tempel angesehen zu haben. Die Polizei schritt lächelnd an uns vorbei. Wir hatten schon so viele Tempel auf Bali gesehen, da kam es jetzt auf den einen auch nicht mehr an. Das sollte wohl der Tiefpunkt auf dieser Reise gewesen sein, als wir alle schlecht gelaunt im Auto saßen und genervt von den Menschen auf dieser Insel waren. Als nächster Stopp stand ein Strand auf dem Plan namens Blue Lagoon. Das Wasser war wirklich unglaublich blau, was unsere Stimmung etwas anhob und wir entspannten uns. Später schauten wir uns noch einen idyllischen Wasserpalast, der größtenteils aus Pavillons in einem schönen Garten besteht. Das Ziel des Tages war Tulamben, eine Stadt im Osten Balis. Sie gilt als Taucherparadies auf der Insel, da ein Schiff, die “Liberty” aus dem 2. Weltkrieg versunken im Meer liegt, nur 5 Meter vom Strand entfernt. Katha und Kamil starteten heute einen Tauchgang, ich entspannte solange am Strand. Auf den Malediven fand ich heraus, dass tauchen nicht so mein Ding ist. Am Nachmittag schaute ich mir das Schiff schnorchelnd von Oben an. Es ist auseinandergebrochen und von Algen bewachsen. Schillernde Fische schwammen so nah heran und die Taucher bewegten sich 10 Meter unter mir. So etwas hat man nicht so oft auf dieser Welt, da Fracks meist weit draußen und viel tiefer auf dem Grund liegen. Ich freue mich schon, dass es morgen weitergeht. Wir verlassen Bali und fahren mit dem Boot auf die Gili-Islands und anschließend nach Lombok. Neue Erlebnisse stehen an und wir werden zu zweit weiterreisen, denn für meine Schwester geht es morgen nach Hause. Die Insel Bali hat mir sehr gut gefallen. Sie ist durch ihre Natur wunderschön. Vergesst jedoch nicht, dass Indonesien so viele Inseln mehr zu bieten hat als Bali, über 17000! Und manche sind es vielleicht sogar mehr wert besucht zu werden. Wer nur nach Bali fliegt, bekommt das wahre Indonesien nie zu sehen, da hier alles westlich beeinflusst wurde. Zu den Menschen hier muss ich ganz klar sagen, dass wir auf Java freundlicher behandelt wurden. Auf Bali hat man das Gefühl, dass man ständig abgezockt wird und auf Java kommt die Freundlichkeit meist von Herzen.

Viele Grüße von eurer Franzi

Tempel
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Gunung Batur
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Blue Lagoon
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Wasserpalast
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Tulamben
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Eingestellt von franzijacob 05:20

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